08.11.2011 | Kolumne

Milchmarkt-Theater

Niemand hat behauptet, dass die Aufhebung der Milchkontingentierung ein Spaziergang wird. Die Milchbranche liess sich trotzdem von der unsanf­ten Landung auf dem freien Markt über­raschen. Kein Wunder nach so vielen Jahren Planwirtschaft. Doch seither sind über zwei Jahre vergangen. Trotzdem scheint der Schock immer noch nicht überwunden zu sein. Die Branchen­organisation Milch (BOM) bietet allenfalls die Bühne für einen schlechten Schwank, in dem sich zerstrittene ­Erben um die Aufteilung der Pfründe aus vergangenen Zeiten streiten. Eine Hilfe ist sie nicht. Der Milchpreis bleibt weiter im Keller. Immer noch eine Folge des hohen Angebotes. Ein klarer Fall eigentlich. Die Lösung? Die Gesetze des Marktes befolgen und danach ­handeln. Kein gutes Unternehmen führt ein defizitäres Geschäft jahrelang weiter. Man muss ein Produkt auch ­einmal aufgeben können. Doch viele Milchproduzenten spielen weiterhin lieber die Opfer­rolle und richten sich partout nicht nach den Marktkräften. Und diese spielen zurzeit eben wegen der ­eigenen Überproduktion den Verarbeitern zu.

Wie der Biomilchmarkt zeigt, kann sich das aber schnell ändern. Laut Emmi soll es zu wenig Schweizer Biomilch geben. Eine Einladung für ­jeden Unternehmer, könnte man meinen, und als solche bezeichnen sich die Landwirte ja immer wieder gerne. Gerade die Causa Biomilch zeigt aber, dass viele Bauern offenbar immer noch nicht bereit sind, sich auf neue Märkte einzu­stellen. Es gäbe zudem durchaus noch andere ­Lösungen und Ideen, als es einfach auszusitzen oder auf den Bankrott zu warten: mit der Grasmilch beispielsweise. Eine hervorragende Idee, denn praktisch jeder könnte mitmachen, weil die Schweizer Kühe bekanntlich ohne das Label schon ausreichend Gras fressen. Natürlich ist ­alles nur ein Marketing-Gag. Aber er funktioniert, und das ist entscheidend. Auf die Verpackung kommt es an. Und diese sollten die Verarbeiter und vor allem die Produzenten wieder mehr in die eigenen Hände nehmen und weniger den Bürokraten und Funktionären überlassen.


David Eppenberger

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