22.11.2011 | Supply Chain
Logistiker vor grossen Herausforderungen
In die Wertschöpfungsprozesse oder Supply Chain Management werde in der Schweiz zu wenig investiert, und die Prozesse seien zu wenig transparent, sagt eine Studie von GS1 und IBM. Die Technologie ändert sich rasant.

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GS1 ist ein Verband zur Optimierung der Wertschöpfungsketten vom Produzenten bis zum Endverbraucher. Der GS1 Report 2011 ist unter www.gs1.ch erhältlich. hps
Am 7. GS1 Business Day in Oerlikon befassten sich Experten aus Handel, Informatik und Logistikern über die Herausforderungen des Supply Chain Management (Wertschöpfungskette) heute und wie diese in Zukunft aussehen wird. Diese werde vermehrt virtuell, agil und global abgewickelt. «Wenn der Kunde bestellt hat, muss die Ware in fünfzehn Minuten bereit sein», so die Vorstellung von Migros-Referent Michael Roth, Leiter Support Marketing. In fünfzehn Minuten heisse zwar nicht direkt zu Hause beim Kunden, sondern vielmehr in einer Abholstation, oder in einem Zwischenlager, beispielsweise bei einem Logistikpartner.
Mehr Kooperationen gefordert
Eine Studie, erstellt von GS1 und IBM, kam zum Schluss, dass Schweizer Unternehmen im internationalen Vergleich gut abschnitten. Ihre Ketten schienen weniger von Effekten wie Volatilität, Ungewissheit und Komplexität betroffen zu sein als die Lieferketten im globalen Durchschnitt. Der Fokus der Schweizer liegt laut Studie auf der Kostenoptimierung, während man sich international eher auf die Prozesse und die Kollaboration konzentriert. In der vertikalen Kooperation vom Produzenten bis zum Detailhandel soll laut den Experten, angesichts der grossen Herausforderungen, die Lösung liegen. Mit Konkurrenten sollte mehr zusammengearbeitet werden; wenn Transportdaten ausgetauscht würden, gäbe es weniger Leerfahrten. Weiter könnten die fehlenden Investitionen sich in einer rasant entwickelnden Umgebung, wo der Kauf virtuell, die logistische Abwicklung aber physikalisch abgewickelt werden muss, nachteilig auswirken. Möglich, dass man sich in der Schweiz in Sicherheit wiegt, so die GS1-Experten. Nur jedes zweite Unternehmen investiere in sogenannte intelligente Lösungen der Wertschöpfungsketten, um so eine nachhaltigere Wertschöpfung zu realisieren.
Globale Kostenvorteile nutzen
Die Herausforderungen sind gross und heissen knapper werdende Ressourcen, vielfältigere und weltweit verstreute Beschaffungsmärkte. Entsprechend lautet ein Credo von GS1-Referent Valentin Wepfer: «Dort beschaffen, wo der Preis am besten ist». Zum Kollaps der Verkehrswege: «Hier sind wir schon mitten drin», sagt Wepfer. Der Frachttransport steigt laut Studie nichtsdestotrotz rasant an, und in den nächsten Jahren werde mit einem 150-prozentigen Wachstum gerechnet. Darauf reagiert die Technologie mit Systemen wie Track-and-Trace, die es erlauben, sich jederzeit ein genaues Bild über Lage und Ort der Ware zu beschaffen. Die Komplexität der Lieferprozesse wird immer mehr eine Auslagerung an Spezialisten nach sich ziehen.
Gesellschaft der Ampelsysteme
Auch eine grosse Herausforderung ist die spezifischere Produktewahl der Konsumenten. Die Ära der Massenfertigung ist vorüber – Massanfertigung auf Kundenwunsch ist am Kommen. Zudem kann sich der Konsument immer schneller und einfacher über ein Produkt informieren wie etwa über QR-Codes mit seinem Smartphone. Das Gebot der Stunde heisst Vereinfachung, beispielsweise mit Symbolen wie Ampeln. Konsumentenschützerin Sara Stalder ist jedoch skeptisch. Denn die Stiftung für Konsumentenschutz wollte letztes Jahr die «Gesundheitsampel» einführen, sei aber am Veto der Lebensmittelindustrie gescheitert.
hanspeter.schneider@alimentaonline.ch
Hans Peter Schneider
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