06.03.2012 | Nachschlag

Die Sache mit dem Marketing

Es überrascht niemanden, dass «PR-Übervater» Klaus Stöhlker weiss, wie man mit dem Käsemarketingbudget die Welt auf den Kopf stellen könnte, wie die Bauernzeitung kürzlich schrieb. Er ist allwissend und hat bekanntlich die ­Weisheit mit Löffeln gegessen.

Sein Angriff galt diesmal also der Switzerland Cheese Marketing AG (SCM), die für die ­Vermarktung der Schweizer Käse ein Budget von rund 50 Millionen Franken zur Verfügung hat. Das tönt nach viel. Red Bull beispielsweise gibt aber einen Drittel des Umsatzes für Marketingmassnahmen aus, konkret über 1,5 Milliarden Franken pro Jahr. Da erscheint die SCM schon fast als Schmalspur-Marketingorganisation.
Trotzdem fragt man sich insbesondere als Steuer­zahler manchmal, ob die im Rahmen der Absatz­förderung des Bundes ausgezahlten Gelder für ­Werbemassnahmen in der Landwirtschaft wirklich gut eingesetzt sind. Im Fall der SCM lässt sich das wenigstens messen: Immerhin konnte der Absatz im Export unter sehr schwierigen Um­ständen im letzten Jahr leicht gesteigert werden.

Doch wie sieht es in anderen Branchen aus? Ich denke beispielsweise an den TV-Spot, bei dem für Schweizer Zucker geworben wird. Originell, hoch professionell umgesetzt und zu besten Zeiten ausgestrahlt. Doch mit Verlaub: Wird ­deswegen nur ein Kilogramm mehr Schweizer Zucker verkauft? Das Gleiche gilt für die «strammen» Schweizer Pouletschenkel, die jeweils in den teuren Werbepausen an den Skirennen ­unter dem Grill brutzeln. Bei der Kuh Lovely fragt man sich bereits seit Jahren, was sie der Milchbranche bringt, selbst wenn sie im Eiskanal oder auf der Sprungschanze eine gute Falle macht. Die Antwort bei Swissmilk auf die Werbewirkung lautet jeweils: Wenigstens habe sich der Milchkonsum nicht verringert.

Ob diese Millionen also tatsächlich gut investiert sind? Irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass diese Gelder für teure Werbekampagnen in der Landwirtschaft mehr den Werbeagenturen helfen als den Bauernfamilien. Das weiss vermutlich auch Herr Stöhlker.
 


David Eppenberger

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