26.06.2012 | Qualitäts-Charta

Gemeinsam für Schweizer Qualität

119 Firmen und Verbände haben die Qualitäts-Charta unterzeichnet. Bundesrat Johann Schneider-Ammann gratulierte der Branche zum Schulterschluss und betonte, die Öffnung der Märkte sei unumkehrbar.

«Abschotten ist für mich keine Option, und Abwarten ist keine Strategie», sagte Volkswirtschaftsminister ­Johann Schneider-Ammann im Stade de ­Suisse in Bern vor den versammelten Qualitäts-Charta-Unterzeichnerinnen und -Unterzeichnern. Er versuchte damit, ein wichtiges Argument derjenigen zu entkräften, die nicht anwesend waren: Das Argument nämlich, dass der Bund mit der Qualitätsstrategie eine flankierende Massnahme präsentiert, obschon es gar nichts zu flankieren gibt – das Haupt­projekt, der Agrarfreihandel mit der EU, ist derzeit in Bundesbern in den untersten Büroschubladen verschwunden.
Eine Qualitätscharta sei vielleicht umso wichtiger, weil die Schweizer häufig bloss meinten, sie seien die besten, sagte Schneider-Ammann. Man dürfe die Konkurrenz nicht unterschätzen, fand er, auch die Nachbarländer würden immer mehr auf Qualität setzen.

Umsatz und Arbeitsplätze
Am Festakt in Bern, der vom NZZ-Jour­nalisten Adrian Krebs moderiert wurde, er­klärten Vertreter von Bauern, Verarbeitern, Detailhandel und Konsumenten, weshalb sie die Qualitäts-Charta unterzeichnen. Urs Schneider, Präsident von Agro-Marketing ­Suisse und Vizedirektor des Schweizerischen Bauernverbandes, sagte, bei der gemeinsamen Verpflichtung auf Qualität gehe es nicht zuletzt um Umsatz und um Arbeitsplätze in der gesamten Lebensmittelbranche. Die Charta sei aber «kein Freipass für Grenzöffnungen». Jacques Gygax, Direktor von Fromarte, betonte, die Käser setzten schon seit Längerem auf Qualität und auch auf sich öffnende ­Märkte. Man sei sehr interessiert an einer ­offensiven Bewerbung der Schweizer Qualität in den Exportmärkten. Sibyl Anwander von Coop erklärte, ein konsequentes Ausloben der Qualität könne nicht zuletzt beim Bestreben helfen, dass Schweizer auch in der Schweiz einkaufen. Sara Stalder, die Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), sagte, man betrachte die Charta als «Kompass» für die ganze Wertschöpfungskette. Was für diesen Kompass noch fehlt, ist ein gemeinsames Zeichen als Erkennungsmerkmal für die Konsumenten. Das Edelweiss-Logo von Schweiz Tourismus war im Gespräch, ist aber umstritten. Eine gemeinsame Dachmarke bleibe nach wie vor ein Ziel, dieses zu er­reichen sei aber nicht ganz einfach, weil die Unternehmen zum Teil eigene Marken führ­ten, hiess es in Bern.

Viele Markenhersteller sind dem Event in Bern ferngeblieben. Das sei «in Ordnung», wenn diese sich mit der Charta nicht identi­fiziern könnten, fand Christoph Dietler, Geschäftsführer der Agrarallianz und einer der Promotoren der Strategie, vor den Medien. Es gehe nicht um ein Top-down-Marketing, das zentral definiert werde, sondern um eine Basis von gemeinsamen Werten.
roland.wyss@alimentaonline.ch


Roland Wyss-Aerni

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