Dank Teilzeitpensum weiter im Beruf

Bislang hat die Sensorikerin Barbara Friedli den Wechsel von ihrer Vollzeit- zu einer Teilzeitstelle als weitgehend problemlos erlebt. Wichtig dafür sei die Flexibilität aller Beteiligten, ist sie überzeugt.

Michael Grossenbacher. Barbara Friedli sitzt an ihrem Computer und brütet über den neusten Versionen zweier Food-Safety-Standards. Punkt für Punkt vergleicht sie die alte mit der neuen Version. Gibt es Änderungen, sucht sie nach Möglichkeiten, diese einfach und effizient umzusetzen, und bestimmt, wer dafür verantwortlich ist. «Dies ist derzeit eine meiner Hauptaufgaben bei der Firma Haco», sagt die 35-jährige Lebensmittelingenieurin mit Doktortitel. Sie ist unter anderem zuständig für die Sensorik des Lebensmittelproduzenten in Gümligen. Daneben übernimmt sie Aufgaben des Qualitätsmanagements. «Die Entwicklung neuer Produkte unterliegt einem wachsenden Zeitdruck. Entsprechend müssen wir öfter auf gross angelegte, zeitaufwändige Degustations-Panels verzichten», sagt sie.

Alle können profitieren

Die Motivation leidet nicht unter den ausbleibenden Sensorik-Aufgaben. Im Gegenteil: Barbara Friedli ist sehr zufrieden mit ihrer Arbeitsstelle. Umso mehr, als sie nach einem halbjährigen Mutterschaftsurlaub ihre Tätigkeit bei Haco Ende Mai wieder aufnehmen konnte. Die Vollzeitstelle konnte sie auf ein 50-Prozent-Pensum reduzieren. «Mein Chef und die Firma Haco sind mir dabei sehr entgegengekommen», meint sie. Zum Entgegenkommen gehört, dass seither für sie wichtige Sitzungen auf ihre drei Arbeitstage pro Woche terminiert werden. Im Gegenzug macht es ihr nichts aus, ab und zu ihre E-Mails von zu Hause aus zu checken oder ein geschäftliches Telefongespräch zu führen. «Nicht nur der Arbeitgeber muss flexibel sein, sondern auch die Teilzeitangestellten», ist sie überzeugt. «Aber zweifellos ist der Koordinationsaufwand nun grösser als mit einem Vollzeitpensum.» Koordinieren muss sie auch zu Hause. Während ihrer Arbeitstage bei Haco wird der sieben Monate alte Sohn von den Grosseltern und in einer Kinderkrippe betreut – «eine ideale Lösung», wie sie findet.

Eine faszinierende Mischung

Gerade weil sie ihren Beruf liebt, wollte Barbara Friedli ihn nach der Schwangerschaft nicht aufgeben: «Mich fasziniert die Mischung zwischen der Theorie mit wissenschaftlichen Ansätzen und der Umsetzung in die Praxis.» Die Arbeit in der Sensorik mit Menschen als Messinstrument sei sehr spannend. Sie kam, wie so viele, durch Zufall zu ihrem Beruf. Nach einer neusprachlichen Matura hatte sie das Gefühl, dass sie etwas mit Naturwissenschaften studieren möchte. Eine Bekannte brachte sie auf die Idee, an der ETH in Zürich Lebensmittelwissenschaften zu studieren – «ein Entscheid mit Zukunft, denn essen müssen die Leute immer.»


Michael Grossenbacher

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Kommentare

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