Wo sind sie geblieben?
Rund die Hälfte aller Absolventen von Ausbildungen im Bereich Lebensmittel sind Frauen. Was machen diese nach ihrem Berufsabschluss? «Alimenta» lässt in den nächsten Ausgaben Frauen zu Wort kommen.
Beatrice Zweifel. Die Lebensmittelverarbeitung und der Umgang mit Lebensmitteln sind keine klassische Männerdomäne. Trotzdem sind an Tagungen und an Versammlungen der Lebensmittelindustrie die Männer deutlich besser vertreten als die Damen. Beginnt dieser Unterschied bereits bei der Ausbildung oder ist er auf die klassische Thematik «Familie – Beruf» zurückzuführen? Eine Umfrage bei den Schulen zeigt: Rund die Hälfte aller Absolventen in diesen Sektoren sind Frauen.
Tendenz stagnierend bis leicht steigend
Dieser Anteil von 50% verteilt sich jedoch nicht regelmässig auf alle Berufszweige: Es gibt klare Unterschiede und Vorlieben. Während sich auf den Fachhochschulen ungefähr gleich viele Frauen wie Männer zu Lebensmitteltechnologen ausbilden lassen, ist die Tendenz im Detailhandel ganz anders. Sowohl bei den Bäckern als auch bei den Metzgern liegt hier der Anteil deutlich über 90%. Von den Produktkategorien her ziehen Milch und Fleisch Frauen offensichtlich weniger an. Sowohl in Grangeneuve als auch in Sursee liegt der Anteil bei rund einem Viertel. Bei der Metzgerausbildung finden sich 70% Frauen in der Veredelung, dafür keine in der Gewinnung.
Bei den meisten Berufsausbildungen stagniert der Prozentanteil an Frauen. Beim MBZ Sursee hingegen konnte auf Stufe Berufsfachschule in den letzten Jahren ein Anstieg festgestellt werden, genauso wie beim ABZ Spiez, das eine Zunahme auf der Ebene Detailhandel und Veredelung verzeichnen kann.
Tendenzen zum Detailhandel
Im Bereich «Ausbildungen mit Lehrabschlüssen» zieht der Detailhandel viele junge Frauen an. Keine klaren Tendenzen hingegen sind in den Fachhoschulen feststellbar. Sowohl in Wädenswil als auch in Sion spezialisieren sich in allen Bereichen gleich viele Männer wie Frauen. Grangeneuve verzeichnet einen deutlichen Anstieg des Frauenanteils, seit dort die Ausbildung zum Lebensmitteltechnologen angeboten wird. Die Idee, dass sich «frau» eher zu Labor und Kontrolle hingezogen fühlt, während «mann» sich der Technolgie annimmt, bestätigt sich somit überhaupt nicht.
Weiterbildung oder im Beruf bleiben
Absolventen der Fachhochschulen beiden Geschlechts suchen und finden nach Aussage der Schulen ihre erste Stelle relativ problemlos in ihrem Fachgebiet. Was sie nachher machen, kann nur schwer weiterverfolgt werden. Dieselbe Aussage gilt für Fachleute nach dem Lehrabschluss, wobei hier eine Zweitausbildung für viele ein wichtiges Thema ist. Interessant ist, dass sich auch hier wieder viele in ihrem ursprünglichen Gebiet weiterentwickeln möchten.
Was passiert nach der ersten Anstellung?
Nach Aussage der Schule suchen und finden die meisten Absolventinnen ihre erste Stelle nach Abschluss der Ausbildung auf ihrem Beruf. Wie sie sich dann weiterentwickeln – Beruf, Weiterbildung, Familie – kann leider von den Schulen nicht weiter verfolgt werden, und auch das statistische Amt kennt keine Zahlen. Deshalb gelangt «Alimenta» mit der Anfrage an die Leser: Wieviele Frauen arbeiten in Ihrem Betrieb und welche Stellen nehmen sie dort ein? Wir sind gespannt auf Ihre Rückmeldungen.
Beatrice Zweifel
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