«Die Arbeitszeiten sind recht locker»
Kaum die Berufslehre als Bäckerin-Konditorin abgeschlossen, entschied sich Agnes Feuillet aus Weggis für eine Weiterbildung im Ausland. Die Dekotechnik englischer Hochzeitstorten erlernte sie in einer Londoner Konditorei.
Alimenta: Wer verhalf dir zu einer Praktikumsstelle im europäischen Ausland?
Agnes Feuillet: Ich habe mich bei verschiedenen Stellen erkundigt, wo ich das Tortendekorieren erlernen kann, bis ich auf die Vermittlungsagentur StudEx in Biel gestossen bin. Die hat mich an die Bäckerei-Konditorei in London vermittelt. Ich hatte vor der Abreise mit dem Betrieb nur einmal telefonieren müssen. Ausser einem Taschengeld gab es keinen Lohn, aber dafür bezahlte mir der Betrieb die Logis bei einer Fami- lie – in Fussdistanz zum Arbeitsort. Ich hab etwas Geld gespart für den Auslandaufenthalt. London ist teuer. Hie und da konnte ich dennoch ein Schnäppchen ergattern.
Hattest du Zeit für eine Sprachschule in London?
Leider nein, da ich vollzeitlich arbeiten musste. Ich bin aber nicht jemand, der leidenschaftlich gerne Fremdsprachen lernt. Natürlich musste ich mich im Alltag auf Englisch zurechtfinden.
Was unterscheidet eine englische von einer schweizerischen Bäckerei?
Die Arbeitszeiten empfand ich als recht locker. Ich habe um 7 Uhr angefangen und um 15 Uhr aufgehört. Die meisten Angestellten möchten den Arbeitstag so schnell wie möglich durchbringen. Nun, ich hab es aus Liebe zum Detail häufig genauer genommen. Die Mitarbeiter waren begeistert von mir, sodass die mich am liebsten behalten wollten.
Das Angebot an Brot und anderen Frischbackwaren ist ähnlich breit wie bei uns, mit dem Unterschied, dass sie mengenmässig noch mehr produzieren. Ein Londoner Quartier ist schnell einmal grösser als eine mittlere Schweizer Stadt. Es gab eine grosse Laufkundschaft.
Würdest du einer jungen Kollegin ein Praktikum im Ausland empfehlen? Was hat es dir persönlich gebracht?
Ja, sicher. Du bist das erste Mal weg von daheim und bekommst die Gelegenheit, in einem anderen Umfeld etwas Neues zu lernen. Es hat mir gut getan, wobei ich weiss, dass ich in die Schweiz gehöre und nicht ins riesige London. Ich bin sicher selbstständiger geworden. Was mir auch sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass so viele Nationalitäten in unserem Betrieb Hand in Hand zusammenarbeiten können.
Interview: Manuel Fischer
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