Milliardengeschäfte sind abgewickelt

Die weltweit grösste Lebensmittelmesse fand letzte Woche statt. Aussteller aus 97 Ländern nahmen daran teil. Die Agrarexporteure konnten grosse Geschäfte machen. Aber auch die Schweizer hatten keinen Grund zum Klagen.

Brasiliens Lebensmittelindustrie habe an der Anuga in Köln Geschäfte für insgesamt fast 1 Milliarde US-­Dollar machen können, meldete die Handels- und Promotionsagentur Brasiliens, Apex. 7000 Kontakte hätten die 120 brasilianischen Unternehmen gehabt, was in den nächsten 12 Monaten auf Geschäfte von 970 Millio­nen Dollar schliessen lasse. Gerade bei Fleischexporten erwarten die Brasilianer eine Zunahme von 5 bis 10% gegenüber dem letzten Jahr.
Auch die Schweizer Fleischwirtschaft will den Export steigern. Jedoch nicht im Massen-, sondern im Nischengeschäft. Gegenüber der Anuga vor zwei Jahren, als nur zwei helvetische Fleischaussteller in Köln vertreten ­waren, präsentierten sich dieses Jahr sechs Unternehmen unter dem Dach von Proviande: Bigler, Meinen, Metzgerei Angst, Micarna, Spiess Europe und Orior Deutschland.

Geschäfte mit Südkorea
Bruno Höltschi von Orior präsentierte erstmals die neue Marke Albert Spiess, die für den Export vorgesehen ist. Das im Unternehmen Spiess produzierte Bündnerfleisch geht zur Hälfte in den Export. Daneben werden auch Rohschinken und Salsiz, eine Bündner Rohwurst, exportiert. Daniel Signer, Micarna, rechnet mit konkreten Geschäften aus dem Auftritt an der Anuga. Auch mit dem Export von Schweinefleisch beispielsweise nach Südkorea, wo die Firma Mitte Juni von den Behörden das Zertifikat zur Einfuhr von Produkten erhalten hat. Abwesende war Bell. Die von Bell zugekaufte Firma Abraham war an der Anuga vertreten, hatte aber kein einziges Bell-, sprich Schweizer Produkt im Angebot. Laut Kirsten Abraham hat das Unternehmen im Gegenzug nun bessere Möglichkeiten, über den Bell-Kanal in die Schweiz zu exportieren. Im Gegenzug werde die Schweizer Linie über die ebenfalls zur Bell gehörende deutsche Zimbo exportiert, sagt Bell-Sprecher Davide Elia. Zimbo nimmt traditionellerweise jeweils an der Intermeat in Düssseldorf teil.

Nestlés Auftritt für Ethnofood
Die grossen multinationalen Player im Le­bens­mittelsektor fehlten an der Anuga. Doch Nestlé schickte Nestrade, eine unabhängige Division, in La Tour-de-Peilz beheimatet, nach Köln. Nestrade macht beispielsweise für Eu­ropa das Geschäft mit Ethno-Food oder das Airline-Geschäft. Alexander Klein sagt, dass der erste Auftritt ein Riesenerfolg gewesen sei. Am Gemeinschaftsstand der von der Osec, der Schweizer Aussenwirtschaftsförderung, realisiert wurde, stellten 16 Aussteller aus. So auch Fritz Luchsinger, CEO der Buffalo Energy Drink GmbH. Seine Energy-Drink-Linie ­findet besonders in den arabischen Staaten Absatz.

Preiskampf an allen Fronten

Thomas Schiemann, Chef von Emmi-Deutsch­land, bezeichnet das Käsegeschäft in Deutschland durch den Währungsverlust, der die Ware um 7% verteuere, als schwierig. Im Molkereigeschäft wolle das Unternehmen von weiteren grossen Innovationen Abstand nehmen und statt dessen Artikel wie Caffè Latte massiv unterstützen und weiter ausbauen. Schliesslich ist Emmi mit Frischeprodukten in Deutschland wieder zweistellig gewachsen.
Gute Geschäfte hat auch Käsehändler Walo von Mühlenen an der Messe gemacht. Das zweite Halbjahr werde jetzt sehr gut laufen. «Wir haben auf jeden Fall mehr Bestellungen als Käse», sagte er. In Übersee wurde schon viel für das Weihnachtsgeschäft bestellt. In Europa lasse man sich dazu noch ein wenig Zeit, was aber noch kommen werde.
So besteht noch Raum zur Hoffnung, dass die Schweizer Lebensmittelwirtschaft eventuell auch die Milliarde, wie die Brasilianer, erreichen wird.


Hans Peter Schneider

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Kommentare

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