Schweizer Produkte unter einem Dach
In einer Skizze hat das Bundesamt für Landwirtschaft umrissen, wie Land- und Ernährungswirtschaft sowie Gastronomie und Tourismus konkurrenzfähiger werden könnten. Kernstück ist die gemeinsame Marke «Schweiz».
Um dem wachsenden Importdruck standhalten zu können, will der Bund strategisch handeln. «Qualität» heisst das Zauberwort, das die Land- und Ernährungswirtschaft im In- und im Ausland wettbewerbsfähiger machen soll. In erster Linie sollen
die Akteure entlang der Wertschöpfungskette enger zusammenarbeiten. Es geht aber auch darum, Vorhandenes lauter anzupreisen.
Das Wir-Gefühl
Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat die Initiative ergriffen, einer Qualitätsstrategie, der sämtliche Mitglieder des Land- und Ernährungssektors positiv gegenüberstehen, ein Gesicht zu geben. Ein wichtiger Pfeiler dieser Strategie bildet in einer ersten groben Skizze die Partnerschaft entlang der Wertschöpfungskette. Nicht nur Produzenten und Verarbeiter von Lebensmitteln sollen eng zusammenarbeiten, sondern auch die Gastronomie und der Tourismus. Die Absicht ist, ein Wir-Gefühl entstehen zu lassen.
Ob Zufall oder nicht; der Vorstand des Verbandes Gastrosuisse hat sich letzte Woche dafür ausgesprochen, künftig auf verstärkt einheimische Produkte zu setzen. «Die Gäste besuchen die Restaurants nicht, um sich zu verpflegen, sondern vielmehr um gepflegt zu werden», begründet Direktor Anton Schmutz die Absichtserklärung. Nur mit Tradition
und Authentizität könnten sich die Schweizer Gastronomen von ihren Mitbewerbern im Ausland unterscheiden.
Eine Destinationsmarke
Nicht nur das Einstehen für einheimische Produkte ist für den Erfolg der Qualitätsstrategie nötig, sondern auch eine klare und starke Kommunikation. Das BLW schlägt vor, eine einheitliche Destinationsmarke Schweiz einzuführen, die Lebensmittel, Werbung für Lebensmittel, aber auch Gastrobetriebe und Tourismusangebote auszeichnet. Diese Marke könnte analog dem bereits existierenden «Schweiz. Natürlich.» aufgebaut sein. Mit «Schweiz. Natürlich.» müssen heute Informations- und Werbebotschaften gekennzeichnet werden, die der Bund mitfinanziert. Das BLW hat erste Gespräche über eine engere Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus geführt.
Gastrosuisse-Direktor Anton Schmutz steht einem solchen Ansinnen sehr positiv gegenüber: «Wir holen die Gäste und zeigen ihnen die Schweizer Produkte. Sind unsere Kunden von der Qualität überzeugt, müssen Lebensmittelverarbeiter und -handel dafür sorgen, dass die Schweizer Produkte im In- und Ausland erhältlich sind und vor allem, dass sie erkennbar sind.»
Auch Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, sieht in einer einheitlichen Kennzeichnung Vorteile: «Ein Kaufentscheid fällt innerhalb von zwei Sekunden. Je gleichförmiger die Produkte ausgezeichnet sind, desto besser.» Wichtig sei aber, dass mit «Schweiz» ausgezeichnete Produkte auch aus der Schweiz stammten: «Die 80-Prozent-Regel, wie sie die Swissness-Vorlage vorsieht, ist ein Muss.» Dieser Ansicht ist auch Anton Schmutz.
Die Ernährungswirtschaft und Schweiz Tourismus proben den gemeinsamen Auftritt im nächsten Jahr an zwei Grossanlässen: an der Weltausstellung in Shanghai, China, und an den Olympischen Winterspielen in Vancouver, Kanada.
Coop hält sich bedeckt
Zurückhaltender wird die Destinationsmarke von Coop beurteilt. Weil die Idee neueren Datums sei, müssten zuerst Abklärungen gemacht werden, heisst es aus der Konzernzentrale in Basel. Der Grossverteiler fordert jedoch, dass private Labels wie die Bio-Knospe oder Naturaplan, Pro Montagna, die Coop in Eigenregie aufgebaut hat, nicht durch ein «einheitliches staatliches Label» beeinträchtigt werden dürften.
Neben der Destinationsmarke soll eine Bündelung der Kräfte, der finanziellen Mittel, dazu beitragen, die Schweizer Produkte offensiver im Markt auftreten zu lassen. Eines der Ziele ist es, dadurch neue ausländische Märkte zu erschliessen. Jedoch sind nicht alle lebensmittelverarbeitenden Unternehmen zur Umsetzung einer Qualitätsstrategie gleich gut positioniert. Das BLW ist der Ansicht, dass sich Milch- und Fleischverarbeiter stärker in Richtung Qualitätsprodukte spezialisieren sollten, um so höhere Marktpreise zu erzielen. Kleinere, meist gewerbliche Verarbeitungsbetriebe müssten auf eine Qualitätsstrategie setzen, die ihnen erlaubt, sich gegenüber industriell hergestellten Produkten abzugrenzen. Und für Verarbeitungsbetriebe, deren Produkte sich nicht differenzieren lassen, würden sich durch
die Swissness-Vorlage neue Möglichkeiten eröffnen.
Qualitätsführerschaft angestrebt
Das Wichtigste einer Qualitätsstrategie ist die überragende Qualität der Produkte. Diese sei durch Vorschriften im Gesundheits-, Umwelt- und Tierschutz sowie im ökologischen Leistungsnachweis, den die Landwirte, die Direktzahlungen beziehen, gegeben, heisst es in der Skizze des BLW. Zu diesen Basisanforderungen, die für die Schlagworte Natürlichkeit, Sicherheit und Qualität stehen, soll dereinst auch die Swissness-Regelung gehören. Innovationen und Wissenstransfer zwischen Forschung und Verarbeitern sollen mithelfen, die Qualitätsführerschaft auszubauen. Der Bund engagiert sich in dieser Sparte im Rahmen der Plattform Swiss Food Research. Die meisten dieser Elemente sind demnach vorhanden. Sie sollen besser kommuniziert werden.
Die Qualitätsstrategie hat das BLW unter anderem aufgrund von verschiedenen Vorstössen im Parlament skizziert. Bauernverband-Direktor und Nationalrat Jacques Bourgeois (FDP/FR) ist einer der Motionäre. Er ist zufrieden mit dem ersten Resultat. Wichtig sei nun, dass die Swissness-Vorlage die nötige Basis bilde, sagt er und fordert, gleichzeitig mehr Bundesgeld in die Absatzförderung zu investieren.
Anfang des kommenden Jahres soll der Prozess hin zur Ausgestaltung der Qualitätsstrategie weitergeführt werden. Dann nämlich wird das BLW zu einer Werkstatt einladen.
Michael Grossenbacher
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