Schweizer Käse im Euro-Gegenwind

Der ungünstige Währungskurs setzt Schweizer Käseexporteure trotz ­positiven Konkjunkturzeichen unter Druck. Die Preiserhöhungen traten kürzlich in Kraft, was prompt Auslistungen nach sich zog.

Die Schwäche des Euros belastet die Schweizer Exporteure. Im Euro-Raum weisen einige Staaten eine riesige Staatsverschuldung auf. Damit einher geht nun die Angst der Konsumenten, dass die Steuern erhöht werden oder bald eine Inflation eintritt. Diese Angst ist für das Konsumklima nicht gerade förderlich. Besonders die exportorientierten Schweizer Unternehmen, die ihre Produkte im höherpreisigen Segment verkaufen möchten, sind gefährdet. Der Euro hat in den letzten Tagen seinen Tiefpunkt von Fr. 1.37 erreicht hat und dümpelt in diesen Tiefen vor sich hin. Schweizer Käseexporteuren sind die Hände gebunden oder sie ­sehen sich nach neuen Märkten um. Aber es gibt auch Hoffnung in der Krise. So profitiert Deutschland als Exportnation von der Euroschwäche und bleibt so als Absatzland für Hochpreisprodukte attraktiv. Doch zuerst bleiben die Nachteile durch den Euro-Währungsverfall.

Beschaffungsmarkt Euroraum
Darum verkauft Christoph Züger, Züger Frischkäse AG, Oberbüren, seine Produkte auch zu Eurobedingungen über die Tochtergesellschaft in Deutschland. «Wir verrechnen die Ware mit dem Kurs von 1.50, in Tat und Wahrheit ist der Euro aber nur noch Fr. 1.38 wert», sagt Züger. Ihm ist klar, dass das kal­kulatorische Schnippchen nicht aufgeht. Der Stand seines Eurokontos steigt und steigt und einmal muss es in Schweizer Franken gewechselt werden. Doch bis dahin versucht die Firma, die tiefen Margen zu umgehen, indem möglichst viel Material, von Verpackung über Hilfsstoffe bis zu Maschinen, im Euroraum eingekauft wird. Eine weitere Massnahme sieht Züger darin, die Eurozone zu übergehen und Frischkäse etwa im fernen Osten zu verkaufen. So in Malaysia oder auch in Bangladesch, wo derzeit auf die Anzahlung des Importeurs gewartet wird, und danach 20 Tonnen im Kühlcontainer verschifft werden können.
Dennoch hat die Firma ihre budgetierte Exportmenge im Jahr 2010 auf 3000 Tonnen Käse erhöht, was gemäss Züger 5% des gesamten exportierten Käses der Schweiz entspreche. Züger exportiert 30% der verarbeiteten Milchmenge in Form von Frischkäse und Mozzarella. Darin macht der Exportanteil in den Euroraum 60% aus.

Konsumklima entscheidend
Auch mehr exportieren will Peter Odermatt, Bergsenn AG, Savognin. In weiser Voraussicht hat Odermatt seinen Handelspartnern durch den ungünstigen Eurokurs schon im Januar einen Preisaufschlag für Anfang Mai angekündigt. «Da war eine gewaltige Portion Feingefühl gefragt», sagt Odermatt. Klar hätten einige Händler gemurrt und gesagt, der Odermatt sei der einzige mit Preiserhöhungen, doch schliesslich wurde der Aufschlag von
50 Eurocents akzeptiert. Die Bergsenn AG so­wie auch andere Halbhartkäsereien, die in der Schweizerischen Genossenschaft für Weich- und Halbhartkäse (SGWH) zusammengeschlossen sind, profitieren vom Absatzmarkt Deutschland, obwohl gemäss Odermatt neue Märkte gesucht würden, zum Beispiel im Herbst an der SIAL in Paris profitiert Deutsch­land in gewisser Hinsicht auch vom schwachen Euro und kann als Exportnation durch den starken Dollar vermehrt in die USA und in die restliche Welt (Dollarraum) Waren verkaufen. So könne Schweizer Exporteuren eine hohe ­Be­schäftigungsquote und damit ein stimmungsvoller Konsum in Deutschland noch fast wichti­ger sein als ein schwacher Euro, meint Odermatt.
Er ist zuversichtlich, dass ein starker Exportherbst bevorsteht. Bergsenn wolle dieses Jahr anstelle der gut 200 Tonnen Bergkäse neu über 300 Tonnen exportieren. Die SGWH strebe in ihrem Verarbeitungsplansoll eine Steigerung 7,7% gegenüber dem Vorjahr auf über 4000 Tonnen im laufenden Jahr an. Für den momentanen Exportanteil von über 20% wird eine Zunahme von 10% angestrebt.

Preiserhöhung umgesetzt

Nicht ganz so optimistisch beurteilt Thomas Schiemann, Chef Emmi Deutschland, die Lage. Ende Mai und Anfang Juni erhöhte Emmi die Preise im gelben Sortiment um 6%. «Wenn die Preiserhöhung 50 Cents beträgt, wird der Handel erfahrungsgemäss sukzessive noch einmal 50 Cents draufsetzen», sagt Schiemann. Diese Erhöhung könne dann negative Folgen auf den Schweizer Käse haben, denn er ist laut Schiemann sowieso am oberen Preislimit. Denn wenn ein Käse für 2,40 Euro 5% teurer wird, mache dies nicht viel aus, doch bei einem 10 Euro teuren Käse sieht dies anders aus. Auch bei Gourmino wurden laut Geschäftsführer Ernst Oettli die Preiserhöhungen per 15. Mai umgesetzt.

Appenzeller fällt aus dem Regal
Bei der weissen Linie können die Preise nicht erhöht werden: Markenartikel wie Müller Milch, Danone, Ehrmann und Campina erhöhen ihre Preise nicht. Zwar ist Bewegung in den Butterpreisen und anderen Basisartikeln, für die Marken gilt das aber nicht. Somit kann laut Thomas Schiemann auch Emmi die Preise nicht erhöhen und hat jetzt deutliche Kursverluste zu tragen.
Thomas Vogt von der Vermarktungsorga­nisation «vom Chaeser» ist ebenfalls wenig optimistisch. Nach der Preiserhöhung um 6% hat der wichtigste deutsche Kunde jetzt weniger bestellt. Vogt sieht trotzdem einen Hoffnungsschimmer mit der Preiserhöhung beim französischen Käse. «Dies hilft in unserer ­Situation ein wenig», so Vogt, der auch froh ist, dass Switzerland Cheese Marketing (SCM) schon vor Monaten ein Informations­schrei­ben ausgesendet hat, in welchem die schwierige Währungslage erläutert wurde.
Dennoch führt jetzt laut Marktbeobachtungen Lidl nur noch eine Sorte Scheibenkäse und zwar Emmentaler im Sortiment. Appenzeller und St. Galler Klosterkäse sind ausge­listet worden. Ob dies durch Preiserhöhungen verursacht wurde, ist nicht klar, liegt aber sehr nahe, denn Discounter ändern ihre Sortimente nicht so schnell.


Hans Peter Schneider

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