11.01.2011 | Nachschlag

Guteidgenössischer Fastfood-Kompromiss

Kürzlich habe ich mir wieder einmal an den Kopf gegriffen. Eine amerikanische Mutter und Hausfrau will eine Sammelklage gegen McDonald’s anstrengen, weil die Fastfoodbrater zum Menü ein Spielzeug abgeben und damit ihre Tochter zum übermässigen Burgerkonsum und letztlich zur Fettleibigkeit verführen. Natürlich will ich nicht in Zweifel ziehen, dass eine einseitige ­Fastfood-Diät zu Übergewicht und weiteren ­Nebenwirkungen führt. Es genügt als Beweis der Konsum des Films «Supersize me». In diesem ­dokumentarischen Selbstversuch ernährt sich der Filmemacher 30 Tage lang ausschliesslich bei «McDo». Der anfänglich kerngesunde Mann nimmt in 30 Tagen gut 10 Kilo zu und ist am Ende reif für eine Kur. Nichtsdestotrotz ist es Nonsense, den Anbieter der Burger dafür zu verklagen.

Jeder erwachsene Mensch ist selber verantwortlich für das, was er und seine Kinder essen. Das ist zwar manchmal zum Verzweifeln. Mir tut es weh, wenn auch heute noch – in Zeiten von Konsumenteninformation auf allen Kanälen – für die Mehrheit der Preis das alleinige Einkaufskriterium ist. Weder die Herstellungsart des Produkts noch dessen ernährungsphysiologische Eigenschaften fallen genügend ins Gewicht.

Nur, wo kämen wir hin, wenn wir plötzlich eine Ernährungspolizei über unsere Menüpläne ­entscheiden lassen würden? Diese würde dann je nach aktuellem Regime ihre Vorgaben ändern. Der bürgerliche Bundesrat im Ernährungsdepar­tement würde den ganzen Winter einheimisches Gemüse verordnen, das wöchentliche Käse­fondue wäre obligatorisch. Nicht schlecht, ­werden die Käser unter Ihnen denken. Doch hätte die Linke dann die Überhand, müssten wir uns plötzlich an eine cholesterinlose Diät mit ­Raclette-Verbot gewöhnen und uns ausschliesslich von Fairtrade- und Bioprodukten ernähren.
Eine derartige Tisch-Diktatur wäre mir ein Graus, stattdessen koche ich lieber ab und zu meinen selber gezimmerten guteidgenössischen Kompromiss: einen selber gemachten Cheeseburger aus Schweizer Weizen mit Fairtrade-Sesamsamen und je einer Scheibe saftigem AOC-Gruyère und Weidebeef-Hackfleisch, und dazu ein Salätli.
Adrian Krebs


Adrian Krebs

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