Milchverkauf bei Tesco mit Klimagasangabe
Der britische Einzelhändler Tesco macht auf den Milchpackungen Angaben zum deren Klimagasausstoss.
Die britische Kette Tesco verkauft seit vergangener Woche ihr Sortiment an Konsummilch mit konkreten Angaben zum Klimagasausstoß auf den Verpackungen. Weitere rund 500 Produkte sollen bis Ende dieses Jahres in den Tesco-Regalen folgen. Laut den Berechnungen der Nummer eins im britischen Lebensmitteleinzelhandel entstehen durch den Konsum von 1 l fettarmer Frischmilch Klimagasemissionen von 1 665 g; bei Vollmilch sind es 1 933 g, bei entrahmter Milch 1 511 g. Der Lebensmitteleinzelhändler verspricht sich von der Kennzeichnungsinitiative eine verstärkte Bewusstseinsbildung für die Bedeutung des Klimawandels und Möglichkeiten zu dessen Abschwächung. Die Methode des «Klima-Fußabdrucks» und der Kennzeichnung zeige, dass im Falle der Milch die Landwirtschaft für den größten Teil der Emissionen verantwortlich sei. Der wichtigste Faktor sei die Methanproduktion der Kühe. «Wir sind derzeit dabei, Forschungsprojekte zur Reduzierung der Klimaemissionen aus der Milchproduktion aufzulegen», erklärte Tesco-Geschäftsführer David North . Dabei gehe es beispielsweise um Tests mit Futtermitteln zur Minderung der Methanemissionen.
Konsummilchverbrauch gesunken
Die britische Milchwirtschaft dürfte über Tescos Vorstoß, Milch zum Pionierprodukt bei der CO2-Kennzeichnung zu machen, wenig erfreut sein. Schließlich lag der Verbrauch an Konsummilch in Großbritannien 2008 um rund 15 % unter dem Niveau, das zehn Jahre zuvor erreicht worden war. Mit 105 kg Konsummilch pro Kopf und Jahr bewegte sich der Verbrauch laut Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) aber immer noch deutlich über dem deutschen Vergleichswert von 95 kg. Eine wichtige Rolle für den rückläufigen Absatz dürfte das Verschwinden der britischen Milchmänner spielen, die nur noch in den wenigsten Gegenden die Milch in Glasflaschen vor die Haustür bringen. Entgegen dem Trend in Deutschland war hingegen der Butterverbrauch in Großbritannien zuletzt leicht steigend.
Fonterra mit viel niedrigerem Wert
Mit seinen Angaben zur Treibhausgaserzeugung in der Milch-Lieferkette liegt Tesco weit über den Berechnungen des neuseeländischen Milchverarbeiters Fonterra, der den Klimagasausstoß für die Produktion einer Milch auf 940 g pro Liter veranschlagt. Auch bei der Verteilung der Emissionslast unterscheiden sich der britische Einzelhändler und der neuseeländische Milchriese. Laut Fonterras Berechnungen entstehen 85 % der Treibhausgasemissionen auf den landwirtschaftlichen Betrieben, während 10 % bei der Weiterverarbeitung der Rohmilch anfallen. Die restlichen 5 % der Treibhausgase gehen demnach auf das Konto von Transport und Vertrieb. Dagegen steuern bei Tescos fettarmer Trinkmilch die Milcherzeuger lediglich 73 % der Klimagasproduktion bei, während auf Vertrieb und Einzelhandel 13 % und auf die Verarbeitung 9 % entfallen. Der Verbraucher muss laut Tescos Berechnungen für 4,4 % der Milch-Klimagasemissionen geradestehen, so durch Kühlung und Entsorgung. age
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